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Kampagne Gewerkschafterdialog Grundeinkommen

25. Januar 2012
By Ronald Blaschke

Quelle: Netzwerk Grundeinkommen

Die neue Plattform für einen Gewerkschafterdialog Grundeinkommen hat das Ziel, die Diskussion zum Grundeinkommen in den Gewerkschaften voranzubringen und das Grundeinkommen in der gewerkschaftlichen Programmatik zu verankern.

Der erste Schritt ist ein Aufruf auf der Homepage Gewerkschafterdialog Grundeinkommen, der von Gewerkschaftsmitgliedern unterzeichnet werden kann. Dieser Aufruf wird von über fünfzig ErstunterzeichnerInnen verschiedener Gewerkschaften und Gewerkschaftsebenen getragen. Beteiligt sind bisher vor allem Mitglieder der Gewerkschaft ver.di und der IG Metall, doch auch Mitglieder aus anderen Gewerkschaften sind bereits vertreten.
Weitere Schritte zur Durchsetzung der oben genannten Ziele werden derzeit in dem Initiativkreis der Kampagne diskutiert.

Mit der Plattform „Gewerkschafterdialog Grundeinkommen“ erhält eine seit längerer Zeit anhaltende Diskussion zum Grundeinkommen in verschiedenen Gewerkschaften eine strukturelle und organisatorische Basis. Zu wünschen ist allen Beteiligten in ihren Organisationen Offenheit und Aufgeschlossenheit für sachliche Debatten. Dann steht gutem Gelingen nichts im Weg.

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RotFuchs: Kritik an Grundeinkommenskritik

24. Januar 2012
By Ronald Blaschke

In der jüngsten Ausgabe des RotFuchs (Januar 2012, dort S. 12), eine “Tribüne für Kommunisten und Sozialisten in Deutschland”, findet sich eine Kritik von Klaus Schwurack an einer Grundeinkommenskritik von Ernst Albrecht (RotFuchs Oktober 2011, S. 10): Für Albrecht “ist die Idee des ‘bedingungslosen Grundeinkommens’ als zutiefst reaktionär abzulehnen. Sie entwertet den Menschen und dessen schöpferische Fähigkeiten, spaltet die Gesellschaft sozial noch tiefer in Arm und Reich, ermöglicht verstärkte Ausbeutung und ist eine neue Quelle für Maximalprofite”.

Schwuracks Kritik an Albrecht weist nun nach, dass mit Argumenten von Albrecht gegen das Grundeinkommen diskutiert wird, die sowohl Marx und Engels gründlich missverstehen und dem Grundeinkommen negative Folgen andichten, die ohne ein Grundeinkommen schon längst eingetreten sind. Klaus Schwurack endet mit der Feststellung, dass eine von Ausbeutung freie Arbeit erst möglich sei, wenn Arbeit “nicht mehr vordergründig Erwerbsmittel ist – also kein ‘Job’, bei dem ökonomischer Zwang der entscheidende oder alleinige Antrieb ist, aus dem der Mensch arbeitet.” Genau. Und das Grundeinkommen ist ein Schritt in diese Richtung!

Lehrreich ist die Lektüre beider Kritiken, weil beide schonungslos zeigen, mit welchen abstrusen Begründungen und mit welcher Unkenntnis bezüglich linker Grundeinkommenskonzepte argumentiert wird.

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Kritik der Tafeln und Grundeinkommen

19. Januar 2012
By Ronald Blaschke

Quelle: Netzwerk Grundeinkommen

von Jörg Ackermann

Der Soziologe und Tafelforscher Prof. Dr. Stefan Selke, von der Hochschule Furtwangen University, übte am 9. Januar 2012 in einem viel beachteten Interview im Nordwest Radio heftige Kritik an den Tafeln und der „Vertafelung“ Deutschlands. In der Radiosendung (Stefan Selke 4, dort ab Minute 5:30) begründet Selke darüber hinaus ausführlich, warum das Grundeinkommen eine gesellschaftspolitische Alternative zur Ausgrenzung von Menschen in unserer Gesellschaft und eine Antwort auf die Krise der Arbeitsgesellschaft ist.

Stefan Selke hielt bereits während der 4. Internationalen Woche des Grundeinkommens in Bremen einen Vortrag zum Thema „Lebensmitteltafeln als Reparaturbetrieb der Gesellschaft? Existenzunterstützende Freiwilligenangebote als Sackgasse der sozialen Frage“. Die anschließende Diskussion drehte sich um die Frage: „Kann das bedingungslose Grundeinkommen ein Ausweg sein?“ Auf dem Video-Kanal Grundeinkommen 1 findet sich dieser Vortrag von Stefan Selke. Außerdem sind dort weitere Videos von Vorträgen während der Woche des Grundeinkommens in Bremen mit Werner Rätz, Ronald Blaschke sowie einem Gottesdienst mit Abendmahl zum Thema „Genug für alle“ zu sehen.

In seinem Vortrag in Bremen setzte sich Stefan Selke ebenfalls kritisch mit den Lebensmitteltafeln und ähnlichen existenzunterstützenden Angeboten in Deutschland auseinander. Die Kritik lautet, dass durch die Tafeln – im Namen der Barmherzigkeit – Armut verstetigt und mit ihnen das Geschäft der privaten Fürsorge-Industrie größer wird. Die Analyse der Tafellandschaft und ihrer Entwicklung zeige, dass die soziale Absicherung vieler Menschen immer mehr aus dem Aufgabenbereich der Gesellschaft bzw. des Staates in den Bereich des Privaten und des Ehrenamts gedrängt wird.

Grundlage der Arbeit von Stefan Selke ist die Frage nach den Chancen und Risiken menschlicher, insbesondere menschenwürdiger Existenz unter den Bedingungen technologischen, medialen, kulturellen und gesellschaftlichen Wandels. Seine Sozialreportage über die Tafelbewegung, Fast ganz unten, löste einen lebhaften Diskurs über Effekte der Tafelbewegung aus. Dieser führte zu einem Paradigmenwechsel in der öffentlichen Wahrnehmung der Tafeln sowie zu einer umfassenden Kritik an der privatisierten Sozialindustrie. Aktuell arbeitet Stefan Selke am Forschungsprojekt „Tafel-Monitor: Transformation der Lebensmitteltafeln und ähnlicher existenzunterstützender Angebote im institutionellen Spannungsfeld zwischen Angebot und Nachfrage“. Für dieses Projekt wurden auch in Bremen Interviews durchgeführt. Informationen finden sich auf der Website Tafelforum. Wer sich weiter informieren möchte, dem werden auch die kritischen Tafel-Sammelbände empfohlen.

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“Arbeitskrise und Grundeinkommen” – ein neues Video zum Grundeinkommen

19. Januar 2012
By Ronald Blaschke

Ein neues Video zum Grundeinkommen findet sich bei youtube.

Eingeführt wird mit folgendem Text:

“Für anständige Arbeit scheint heute einfach kein Geld mehr da zu sein, hinfällig wohl auch die Sozialsysteme, welche sich durch den Arbeitsmarkt finanzieren sollen?! Dieser kurze Animationsfilm lädt ein, die Krise unserer Gesellschaft von einer neuen Seite zu sehen. Dem technischen Fortschritt muss ein gesellschaftlicher folgen. In diesem Sinne stellt der Film mit dem bedingungslosen Grundeinkommen einen ebenso ungewöhlichen, wie kontrovers diskutierten Reformvorschlag. Freilich kann dies nur eine kleine Einführung sein, aber es zeigt sich schnell, wie radikal die Veränderung schon im Denken und im gegenwärtigen Menschenbild ansetzen muss, damit eine soziale Vision wie diese vorstellbar oder gar realisierbar wird.”

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“Den Maschinen die Arbeit … uns das Vergnügen!”

16. Januar 2012
By Ronald Blaschke

Quelle: Netzwerk Grundeinkommen

Die unabhängige Erwerbslosen- und Sozialhilfebewegung ist die älteste Bewegung in Deutschland, die ein Grundeinkommen fordert – seit über dreißig Jahren. VertreterInnen dieser Bewegung gehörten auch zu den Gründern und ersten Sprechern des Netzwerks Grundeinkommen. Ihr Existenzgeld sollte schon immer mehr sein als ein bloßes Grundeinkommen. Es ging der unabhängigen Erwerbslosenbewegung um eine andere Gesellschaft, in der das gute Leben für alle und eine andere Art des Arbeitens und Lebens zusammengedacht waren: „Kampf der Lohnarbeit! Für selbstbestimmte Arbeit in einer freien Gesellschaft!“

Nach einigen Broschüren und mehreren Büchern zum Existenzgeld erschien jüngst der Band ‘Den Maschinen die Arbeit … uns das Vergnügen!’ Beiträge zum Existenzgeld, herausgegeben von Anne Allex und Harald Rein. Beide sind in der Erwerbslosen- und Existenzgeldbewegung aktiv.

Der neue Band, den die ExistenzgeldvertreterInnen zum Grundeinkommen herausgegeben haben, vereint AutorInnen unterschiedlicher politischer Strömungen der sozialen Bewegungen. Er setzt sich kritisch mit unterschiedlichen Grundeinkommensansätzen auseinander, was den Blick auf die Heterogenität und auf Gegensätze innerhalb der deutschen Grundeinkommensszene schärft. Das Buch bietet eine Fülle von Fakten und Argumenten. Die Lektüre ist sehr zu empfehlen.

Hier die ausführliche Rezension des Buches.

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Die seltsame Sucht nach Arbeit – Lafargue zum Geburtstag

14. Januar 2012
By Ronald Blaschke
Die seltsame Sucht nach Arbeit – Lafargue zum Geburtstag

Quelle: Neues Deutschland

Paul Lafargue – ein Streiter für das Recht auf ein gutes und schönes Leben

Beitrag von Ronald Blaschke, Foto: ND Archiv

Er war ein bemerkenswerter Politiker und Publizist der internationalen Arbeiterbewegung. Bemerkenswert, weil sich seine von Karl Marx und Friedrich Engels geprägten Auffassungen mit einer großen Eigenständigkeit und geistigen Freiheit im politischen sowie publizistischen Wirken verbanden.

Der am 15. Januar 1842 in Santiago de Cuba geborene Paul Lafargue stammte aus einer multiethnischen und multikulturellen Familie. Eine Großmutter war Mulattin aus Haiti, die andere eine Karibin, die Großväter französischer Herkunft. Flucht und Übersiedlungen aus politischen Gründen waren Alltagserfahrungen seiner Eltern und Großeltern. Sie prägten Lafargues Leben und Wirken ebenso wie das multiethnische und multikulturelle Milieu. Er genoss eine Ausbildung in klassischen Sprachen, Philosophie und Literatur, studierte Medizin in Frankreich, zog es dann aber vor, sich als Berufsrevolutionär in die politischen Auseinandersetzungen seiner Zeit zu begeben.Zunächst Anhänger von Pierre-Joseph Proudhon (»Gott ist das Übel«, »Eigentum ist Diebstahl«, »Mein Vergnügen ist mein Gesetz«) lernte er Karl Marx in London kennen, wo Lafargue sein Medizin-Studium fortsetzen sollte, da er aufgrund politischer Umtriebe von allen französischen Universitäten ausgeschlossen worden war. Von Marx erhielt er Unterweisungen in politischer Ökonomie – und, nach langem Zaudern (er möge doch erst die ökonomische Basis einer Ehe sicherstellen), das Jawort zur Hochzeit mit Laura, einer Tochter von Marx. Friedrich Engels war Trauzeuge. Er war nicht nur der Mäzen der Familie von Karl Marx, sondern auch der chronisch an Geldmangel leidenden Familie Lafargue.Laura war eine hochgebildete, sprachversierte und schöne Frau. Paul: »Ihr üppig krauses Haar glänzte goldig, als ob sich die untergehende Sonne hinein gebettet hätte.« Bisher Marxens Privatsekretärin und Übersetzerin, übernahm sie neben dem Ehehaushalt auch Schreib- und Übersetzungsarbeiten für Paul. Paul schätzte Laura: Auf den bösen Vorwurf hin, sie würde seine Schriften verfassen, die er nur mit seinen Witzen verderbe, entgegnete er, dass Laura begabt sei, ganz andere Dinge zu schreiben, als er vermöge. Laura gründete politische Frauenzirkel, gab eine Arbeiterinnen-Zeitung heraus und publizierte eigene Beiträge. Sie gebar in der Ehe mit Lafargue drei Kinder, zwei starben nach Monaten, eins wurde vier Jahre alt.

Die Lafargues waren oft getrennt. Paul war viel auf politischen Reisen,

auf der Flucht vor politischer Verfolgung oder im Gefängnis. Die Gefängniszeiten wurden zur Ausarbeitung von Studien und politischen Programmen und, ermöglicht durch die damalige Selbstversorgung, ausgiebig zu Essensgelagen genutzt. Die Lafargues pflegten freundschaftliche Beziehungen zu Franz Mehring, Clara und Ossip Zetkin. Zu Besuch bei ihnen waren Wladimir I. Lenin, Nadeschda Krupskaja, Karl Kautsky, Alexandra Kollontai und Karl Liebknecht.

Lafargue, der mit Laura viele Werke von Marx und Engels in verschiedene Sprachen übersetzte, vertrat in Auseinandersetzungen mit den Bakunisten und Proudhonisten in der Internationalen Arbeiter-Assoziation (IAA) die Ansichten der beiden, war Funktionär und Vertreter verschiedener Ländersektionen der IAA, gründete die Parti Ouvrier und war zeitweilig Abgeordneter in der französischen Abgeordnetenkammer. Er gab Zeitschriften heraus, veröffentlichte sprachwissenschaftliche, kulturhistorische, religions- und literaturkritische Abhandlungen sowie Aufsätze zu aktuell politischen Fragen. Lafargue publizierte mehrfach auch zur Frauenfrage und zum Geschlechterverhältnis: Die marxistische Feministin Frigga Haug bezeichnete ihn als einen Spurensucher der Geschlechterkämpfe und weiblicher Emanzipationsbestrebungen. Im Sinne des späteren Antonio Gramsci lag es dem vielseitig gebildeten Lafargue daran, die kulturelle Hegemonie der herrschenden Klasse zu bekämpfen.

Ein Schmuckstück besonderer Art ist seine sehr ernst gemeinte Satire »Widerlegung des ›Rechts auf Arbeit‹ von 1848«, mit dem Haupttitel »Das Recht auf Faulheit«. Dabei handelt es sich um eine Schelte des von bürgerlichen und christlichen Philanthropen verwirrten und durch die kapitalistische Arbeitsmoral korrumpierten Proletariats, das selbst im ökonomischen Überfluss die Kapitalisten nach Arbeit, sogar für weniger Lohn, anflehte: »Eine seltsame Sucht beherrscht die Arbeiterklasse aller Länder, in denen die kapitalistische Zivilisation herrscht … Diese Sucht ist die Liebe zur Arbeit.« Statt nach Arbeit zu verlangen, sollten die Arbeiterinnen und Arbeiter sich die Produkte ihrer Arbeit aneignen und ein gutes und schönes Leben führen. Lafargue schlug dazu das Verbot jeder Arbeit über drei Stunden täglich vor, pries den Einsatz moderner Maschinerie und eine lokale Produktion und Konsumtion. Produkte vom Feinsten, Edelsten sollten es aber sein. Eine solche für das gute und schöne Leben regulierte Produktion würde Arbeitszeit und Arbeitskräfte freisetzen – Arbeit, die, um das Lohnarbeits- und Profithamsterrad aufrechtzuerhalten, sich nicht vor verfälschter, bewusst kurzlebiger und unsinniger Produktion scheue. Um der Überproduktion entgegenzuwirken wäre es auch sinnvoll, dass die Produzierenden ihre Produkte selbst konsumieren. Statt unsinniger Produktion anzuhängen, sollten Feste gefeiert, den Musen und der freien Liebe gehuldigt werden. Für Lafargue galt, dass »die Arbeit erst dann eine Würze der Vergnügungen der Faulheit, eine dem menschlichen Körper nützliche Leidenschaft sein wird, wenn sie weise geregelt« werde.

Lafargue entwickelte die Vision einer Menschengemeinschaft, die das Was und Wie ihrer Produktion bewusst gestaltet. Einem unsinnigen Produktionswachstum stellte er die Idee der gesteigerten Genussfähigkeit für unverfälschte, edelste Produkte und für ein erotisches Leben gegenüber. Das Recht auf ein gutes und schönes Lebens für alle setzte er dem »Recht« auf Lohnarbeit, die tagtäglich die Herrschaft des Kapitals und der bürgerlichen Kultur reproduziert, entgegen.

Laura und Paul Lafargue gingen in der Nacht zum 26. November 1911 in den Freitod. Paul hinterließ eine Abschiedsnotiz: »Gesund an Leib und Seele töte ich mich, bevor mich das gnadenlose Alter schrittweise nach und nach der Freuden der Existenz beraubt und meine physische und geistige Stärke untergräbt, meine Energie lähmt, meinen Willen bricht und mich mir selbst und den anderen zur Last macht.« Selbstbestimmung bis in den Tod!

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Alle vorherigen Beiträge zu Paul Lafargue auf dieser Website:

Selbstbestimmung bis zum Schluß. Zum Gedenken an den Revolutionär Paul Lafargue

Im Gedenken an Paul Lafargue, Fortsetzung Teil 1: “Ein verkaufter Appetit”

Im Gedenken an Paul Lafargue, Fortsetzung Teil 2: “Das Recht auf Faulheit. Widerlegung des ‘Rechts auf Arbeit’”

Im Gedenken an Paul Lafargue, Fortsetzung Teil 3 und Schluss: “Herr Geier”

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